Demenz und Alzheimer Früherkennung

 

Demenz und Alzheimer – die Anzeichen erkennen!

Mit Fragebogen zum Selbsttest

Demenz in Österreich

Derzeit leiden in Österreich rund 130.000 Menschen an Demenz. Auch wenn verbesserte Lebensumstände, wie höhere Bildung, gesündere Ernährung und ausgeprägteres Körperbewusstsein die relative Zahl der Neuerkrankungen zu reduzieren scheint, könnte die Zahl der Erkrankten durch steigende Lebenserwartung im Jahr 2050 bereits 230.000 erreichen.

Damit wird Demenz zunehmend zu einem fixen Bestandteil unseres sozialen Umfeldes. Die österreichische Bundesregierung ist sich dieses Problems bewusst und versucht im Abschlussbericht „Demenzstrategie – Gut leben mit Demenz“ Handlungsempfehlungen zu geben, um erkrankte Personen besser und aktiver in die Gesellschaft zu integrieren.

Demenz und Alzheimer Selbsttest

Früherkennung von Demenz und Alzheimer

Wie bei allen Krankheiten ist auch bei Demenz und der Sonderform Morbus Alzheimer eine möglichst frühe Erkennung besonders wichtig, da diese den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen kann.

Auffälligkeiten bei Demenz

Eine Demenzerkrankung kann sich schon frühzeitig durch verschiedene Anzeichen bemerkbar machen. Dazu zählen unter anderem folgende Auffälligkeiten:

  • Sprache und Kommunikation:
    • Hat Mühe, die richtigen Wörter zu finden
    • Kann einem Gespräch nur schwer folgen
    • Auf Fragen erhält man nur weitschweifende Antworten, versteift sich auch auf ein Thema
  • Aufnehmen und Behalten von neuen Informationen:
    • Kann sich nur schwer an Ereignisse und Gespräche erinnern, auch wenn sie nur kurz zurückliegen.
    • Vergisst wichtige Termine
    • Wiederholt sich häufig
    • Findet abgelegte Gegenstände nur schwer wieder und manchmal an untypischen Orten (z.B. Schlüssel im Kühlschrank)
  • Ausführung komplexer Handlungen:
    • Schwierigkeiten zusammengesetzte Handlungen auszuführen, z.B. Lebensmittel einkaufen, kochen,…
    • Einem komplexen Gedanken zu folgen ist nur unter Mühe möglich, und dann auch nur teilweise.
  • Räumliche und zeitliche Orientierung:
    • Findet sich in eigener, vertrauter Umgebung nicht mehr zurecht
    • Probleme, Dinge zeitgerecht zu erledigen
    • Schwierigkeiten, Auto zu fahren
  • Verhaltensauffälligkeiten wie z.B.:
    • Leistungseinbrüche (auch beruflich)
    • Passivität
    • Aggressivität
    • Unbegründete Ängste
    • Antriebshemmung
    • Verlangsamung
    • Unbegründetes Misstrauen
    • In fortgeschrittenen Fällen auch Verwahrlosung
  • Urteilsvermögen und Vernunft
    • Schwierigkeiten, mit neuen Situationen und Fragestellungen umzugehen
    • Mühe bei Lösung von neu auftretenden Problemen.

Ein kurzer Fragebogen zur Früherkennung von Demenz

Diese recht umfassende Zusammenfassung von Auffälligkeiten liefert zwar einen umfangreichen Eindruck von möglichen Anzeichen, für einen allerersten Test, hat die volkshilfe einen wesentlich einfacheren Fragebogen zusammengestellt, den Sie auch hier als pdf-Dokument herunterladen können.

  • Hat Ihr/-e Angehörige/-r sich in seinem/ihrem Verhalten im Alltag verändert?
  • Ist er/sie ruhiger geworden, in sich gekehrt, traurig oder depressiv?
  • Weigert er/sie sich, das Haus zu verlassen und zieht er/sie sich von der Umwelt zurück?
  • Wehrt er/sie sich gegen Veränderungen, gegen alles Neue in seiner/ihrer Umgebung?
  • Lebt er/sie mehr in der Vergangenheit?
  • Macht er/sie einen unsicheren Eindruck?
  • Verliert er/sie leicht die Orientierung, z. B. bei einem Spaziergang?
  • Vergisst er/sie häufiger Geburtstage und Termine?
  • Leidet der/die Angehörige unter Schlafstörungen?
  • Reagiert er/sie übertrieben ängstlich?
  • Misstraut er/sie seiner/ihrer Umwelt?
  • Hört Ihr/-e Angehörige/-r öfters Stimmen und bedrohliche Geräusche?
  • Erkennt er/sie sich im Spiegel selbst nicht mehr?
  • Ist Ihr/-e Angehörige/-r ständig unruhig und wandert plan- oder ziellos umher?
  • Reagiert er/sie öfter grundlos gereizt und nervös?
  • Beschimpft er/sie die BetreuerInnen?
  • Wird er/sie aggressiv und greift andere tätlich an?

Bitte beachten Sie, das ist kein Demenztest und kann eine Untersuchung durch einen Facharzt keinesfalls ersetzen. Werden also mehrere Fragen mit „ja“ beantwortet, sollte unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden. Dies gilt besonders, wenn auch Angehörige, oder andere Personen aus dem näheren Umfeld Gedächtnisschwächen oder ein Nachlassen der geistigen Funktionen bemerken.

Aber, keine Sorge, abhängig von meiner Tagesverfassung müsste ich nach diesem Test ebenfalls einen Arzt konsultieren. Also, wie überall, ist auch hier der gesunde Menschenverstand gefragt.

Aus unseren Erfahrungen und Beobachtungen wissen wir, dass nicht-diagnostizierte und behandelte demenzielle Erkrankungen den Betroffenen und dessen Umfeld in starkem Ausmaß belasten können. Denn erst die Kenntnis über die Krankheit und das Bewusstsein des Umfeldes für das richtige Umgehen mit dem Betroffenen kann zu einer beträchtlichen Verbesserung im Zusammenleben führen.

Weit über 80% unserer Klienten zeigen Symptome von demenziellen Erkrankungen. Die Betreuung kann sich dabei häufig als recht schwierig herausstellen. Spannungen im Umfeld, Schuldzuweisungen und Gefühle der Hilflosigkeit sind dabei vorprogrammiert. Deswegen haben wir das Schwerpunktthema „Demenz und 24-Stunden-Betreuung“ ins Leben gerufen.

Demenz und 24-Stunden-Betreuung

Zahlreiche Klienten haben davon bereits Gebrauch gemacht. Wir sind glücklich und stolz, dass wir dabei in allen Fällen durch die Früherkennung nicht nur eine Verbesserung im psychosozialen Umfeld des Betroffenen beobachten konnten, sondern auch die Betreuung an die Krankheit und die Persönlichkeit unserer Klienten anpassen konnten.

Ein nicht unwesentlicher Teilerfolg ist in vielen Fällen die entsprechende Anpassung der Pflegestufe, wodurch die finanzielle Belastung einer professionellen Personenbetreuung beträchtlich reduziert werden kann. So wurden in einzelnen Fällen für Klienten, die zwar in einer guten physischen Verfassung waren (entsprechend Pflegestufe 1) aufgrund der psychiatrischen Diagnose sogar die Pflegestufe 6 bewilligt. Ein finanzieller Vorteil von über EUR 1.100,- pro Monat, plus EUR 550,- Zuschuss zur 24h-Pflege. Ein Gesamtvorteil von über EUR 1.650,- pro Monat!!

Sollten Sie Fragen dazu haben oder auch Interesse an einem Beratungsgespräch, sind wir gerne für Sie da. Kontaktieren Sie uns hier.

Der richtige Umgang mit Betroffenen

Der richtige Umgang mit Erkrankten ist der wichtigste Faktor für Integration und Würde der betroffenen. So macht es etwa keinen Sinn, mit dem Betroffenen eine Diskussion zu beginnen, wenn dieser Ihnen vielleicht eine falsche Wahrnehmung schildert. Er wird es nicht akzeptieren, wenn Sie ihn korrigieren, denn in seiner Wahrnehmung hat er Recht. Aus der Diskussion und dem Versuch, ihn umzustimmen werden rasch Spannungen entstehen, die nur allzu leicht in einem Streit enden werden und den Betroffenen noch weiter aus seinem Umfeld ausgrenzen.

In solchen Situationen ist ein einfühlsamer Umgang das beste Mittel, das Zusammenleben für alle Beteiligten zu verbessern.  Klingt recht theoretisch, deswegen gibt es hier ein kleines Beispiel als Tipp zum Umgang mit demenzkranken Personen:

Wir alle kennen wahrscheinlich den folgenden oder ähnlichen Vorwurf von jemand, der an Demenz leidet:

„Ich kann die Goldkette, die mir meine Mutter geschenkt hat nicht finden. Wo hast du sie hingetan?“

Jetzt gibt es natürlich mehrere Möglichkeiten, wie man darauf reagieren kann. Meist ist es leider etwas Ähnliches wie:

„Ich habe deine Kette nicht weggetan. Ich habe sie nicht einmal gesehen. Die musst du selbst verlegt haben.“

Natürlich vollkommen falsch, denn Sie werden wahrscheinlich zur Antwort bekommen:

„Natürlich warst du es, ich hatte sie sonst immer und jetzt ist sie weg.“

Manchmal steigt dann auch noch Aggression auf und die Situation ist für alle Beteiligten bereits verloren.

Eine alternative Antwort könnte sein, zu antworten:

„Oh, das tut mir leid, wahrscheinlich habe ich sie weggeräumt. Aber im Augenblick kann ich mich leider nicht mehr daran erinnern. Mein Gedächtnis ist in letzter Zeit nicht mehr das beste. Kannst du mir helfen zu überlegen? Wann oder wo hast du sie das letzte Mal gesehen?“

Damit erhalten Sie die Würde und beziehen den Betroffenen in die Problemlösung mit ein und vermindern gleichzeitig das Risiko einer Konfrontation.

Das ist natürlich nur ein kleines Beispiel, denn für die richtige Art und Weise, auf eine Situation zu reagieren gibt es kein allgemein gültiges Rezept. Hier ist Einfühlungsvermögen und Erfahrung gefragt, bei den pflegenden Angehörigen, wie bei Personenbetreuerinnen. Wir als Agentur zur Vermittlung von Personenbetreuung legen deshalb bei unseren Betreuerinnen sehr großen Wert auf beides, sowie auf gute Deutschkenntnisse. Denn Schwierigkeiten in der Kommunikation können Spannungen weiter erhöhen, und damit genau das Gegenteil von dem bewirken, was das Ziel einer guten und professionellen Betreuung ist.

Zusammenfassung

Eine möglichst frühe Erkennung von Demenz und Alzheimer trägt wesentlich zu einem positiven Krankheitsverlauf bei. Neben medizinischen und pflegerischen Vorteilen sind mit der frühen Diagnose häufig auch finanzielle Vorteile für den Betroffenen in Form von höheren Pflegestufen verbunden.

Der richtige Umgang mit Erkrankten spielt eine zentrale Rolle im täglichen Leben und kann einen wesentlichen positiven Beitrag zur Würde des Betroffenen und zum Wohlbefinden aller Beteiligten leisten.

 

 

 

 

 

 


4 Gedanken zu “Demenz und Alzheimer Früherkennung

  1. Danke für diese tolle Zusammenfassung! Wie im Artikel treffend beschrieben ist eine Früherkennung ein wesentliches Plus für die gesamte Betreuung während der Krankheit. Nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für die involvierten Personen wie pflegende Angehörige oder auch Personenbetreuer/innen.

    Besonders gut gefällt mir auch der Hinweis, dass demente Menschen in Kommunikationssituationen aktiv miteinbezogen werden sollten. Das klingt in der Theorie eindeutig einfacher als es in der Praxis ist, da oft viele Faktoren eine Rolle spielen (Emotionen, Stress, Ungeduld). Auch diese Menschlichkeit soll und muss erlaubt sein – niemand kann erwarten, dass man die Begleitung von dementen Menschen als einfache Aufgabe wahrnimmt. Nicht als Laie, und auch nicht als Profi. Jedoch hilft theoretisches Fachwissen enorm bei der Bewältigung dieser Aufgabe, da man auf eintretende Situationen besser vorbereitet ist.

    Als Familienangehöriger wächst man in die Situation langsam hinein und findet sich damit ab. Hilfe von außen sollte aber auf jeden Fall in Anspruch genommen werden. So sorgen diplomierte Gedächtnistrainer und Sozialpädagogen für eine professionelle Analyse der Situation und können wertvolle Tipps dazu geben, wie man mit verschiedenen Verhaltensmustern besser umgehen kann und somit Nerven bewahrt.

    Gefällt 1 Person

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